#4 - 13.08.2013: Belagert!

Geschrieben von Der Grimmige Jensemann
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Von wegen Illusion - die Käfer vollenden ihr Werk und der Ork stirbt, obwohl er um sein Leben winselt.

In der Stadt werden Gerüchte laut, ein echter Prinz der Menschen sei angekommen: Prinz Valrik. Ich bin nicht überrascht, in ihm den Krieger wiederzuerkennen, der schon in dem kleinen Ort mit Malinoff gekämpft hat und selbst volltrunken seine Gegner niederstreckte. Er fordert uns auf, ihm zu sagen, was wir über den Feind herausbekommen haben, um zu entscheiden, was zu tun sei ... ein echter Prinz eben ... doch seine Entscheidung überrascht mich. 

Er tritt vor die Tore der Stadt und fordert Grischnakh, den Kommandanten der gegnerischen Armee, zu einem Zweikampf auf Leben und Tod heraus, um der Stadt und deren Einwohnern Zeit zu verschaffen. Beeindruckend, ich bin nur nicht sicher, ob es beeindruckend tapfer oder beeindruckend dumm ist ... was bedeutet Orks schon das Konzept der Ehre, verstehen sie es überhaupt? Die Horde der Orks teilt sich vor ihm und in diese Lücke tritt ein gewaltiger Oger, mit zwei Köpfen, über drei Schritt groß, mit einem Plattenpanzer, Schwert und Schild gerüstet. Valrik kämpft wie ein Kriegsgott der alten Tage, ein ums andere Mal drischt er mit seinem mächtigen Kriegshammer auf den Schädel des Ungetüms. Seine Hiebe sollten tödlich sein, doch irgendeine finstere Magie schützt Grischnakh und so hinterlässt Valriks Waffe nur Scharten im Helm seines Gegners.

Malinoff steht neben mir und schaut genauso gebannt diesem Kampf zu. "Diese Bestie benutzt Elfenmagie, um sich zu schützen", flüstert er mir zu und macht zugleich ein paar Gesten mit seiner Hand. Ich kann nur vermuten, dass er mit seiner Magie den Prinzen im Kampf unterstützt, um die Chancen wieder auszugleichen. Die Feuer- und Eiszauber scheinen an Valrik ebenfalls abzuprallen und der Kampf wogt wild hin und her, bis ein letzter Hieb des Hammers auf Grischnakh niedergeht und den Feind zur Flucht zwingt. Er kann entkommen, doch hat dies seine Position der Stärke unter seinen Männern geschwächt und der Plan des Prinzen könnte aufgehen, so die Zeit erkauft zu haben, die seine Truppen aus dem Hinterland brauchen würden, um zur Verteidigung der Stadt zu eilen.

Eine weiterer Tag neigt sich dem Ende zu und eine weitere Nacht bricht an, wieviele Nächte werden wir noch haben, bevor die Belagerung zuende geht? Ich begebe mich wieder auf meine einsame Wacht, während die Menschen um mich herum ruhen. Plötzlich beginnt ein rhythmischer Gesang, der aus dem Wald schallt, aus der Richtung der Orks, ein seltsam monotones Stakkato rauher Stimmen. Ich suche Tjuv und finde ihn im Gasthaus, er sitzt mit unseren Gefährten zusammen und unterhält sich mit einem Mann, den ich vom Ausfall mit Angus erkenne, kämpfte er doch Seite an Seite mit mir. Es ist nicht schwer, den kleinen Tjuv zu einem Ausflug in einen nächtlichen Wald voller Orks zu überreden, dass jedoch der Einheimische uns begleitet, da er die Wälder um die Stadt herum kennt, erstaunt mich. 

Wir schleichen durch die Reihen der Orks, die immer dichter werden, je näher wir dem Ursprung des Gesangs kommen. Dann sehen wir Grischnakh. Der geschlagene Oger steht nackt vor einem schwarzen Feuer und wirkt ein finsteres Ritual. Das tote Land breitet sich aus und der schwarze Nebel steigt wieder auf. Wir eilen zur Stadt zurück, um die Menschen zu warnen, sind aber zu langsam. Als wir ankommen, hat die Schwärze die Stadt bereits umschlossen und verzehrt alles Licht. An den Palisaden der Stadt scheint sie aufgehalten zu werden und ich treffe Malinoff, der mir bestätigt, dass er einen Schutzkreis gewirkt hat, der die Menschen der Stadt vor der dunklen Magie des toten Landes schützt. Selbst ihm war es aber nicht möglich, einen Durchgang offen zu halten und wir sind abgeschnitten - auf uns allein gestellt, umringt von einer Armee mordlüsterner Orks. Dann endet der Gesang abrupt und ein gellender gequälter Schrei zerreißt die Nacht, bevor Stille einkehrt. Der Feind dringt vor und der Schlag vieler Waffen auf Schilden hallt dumpf durch die Dunkelheit.

Ich entschließe mich, ein weiteres Mal zum Ort des Rituals zu schleichen, in der Hoffnung, den dunklen Zauber dort zu brechen. Als wir den Schutz der Stadt verlassen werden wir Opfer des schwarzen Zaubers, der den Ort umgibt und sind in unseren Ängsten gefangen. Ein dunkler Elf taucht in diesem Albtraum auf und bietet uns Freiheit, wenn wir ihm im Leben dienen oder Sklaverei, wenn wir ihm im Tode dienen - ihm dienen, würden wir so oder so. Dann erscheint Malinoff neben dem Elfen und beginnt zu lachen. Mir scheint, ich bin ein Zuschauer in meinem eigenen Albtraum, während der rote Magier so den Zauber bricht, der uns gefangen hält. Endlich kommen wir am Ort des Rituals an und finden dort das geschwärzte Skelett Grischnakhs, das vor einem See aus schwarzem Schlick steht - er hat den Zauber mit seiner eigenen Lebenskraft gespeist. Ich versiegel das Schlammloch mit meiner Magie und lasse das Skelett zu Staub zerfallen - manchmal ist mein elfisches Erbe eben doch nützlich.

Wir kehren ein weiteres Mal in die Stadt zurück, ausgelaugt und erschöpft, als ein markerschütterndes Brüllen den Himmel zerreißt und etwas Großes vor der Stadt zu landen scheint. Ist der schwarze Elf nun persönlich erschienen, um diese Farce zu beenden? 

Zurück in der Stadt erwartet uns tatsächlich das Licht des neuen Tages. Trotz unseres gefährlichen Ausfluges konnten wir den Zauber nicht brechen, doch Malinoff kann erneut seine Kraft demonstrieren, indem er mit einen machtvollen Ritual den Nebel aufreißt und so den Menschen der Stadt durch das Licht der Sonne Hoffnung gibt an diesem dunklen Tag.